Juri und Schmutzi waren also eine gute Paarung.

Und Juri und der Katzenvater auch. Soweit war ich zufrieden.
Und so lebten wir glücklich vor uns hin.
Schmutzi hatte hin und wieder Probleme mit den Zähnen und mußte den einen oder anderen vom Tierarzt ziehen lassen, aber er ließ auch das mit größtmöglicher Gelassenheit über sich ergehen, da mußte mensch halt durch.
Juris Besuche beim Tierarzt waren dramatischer.
Den ersten machte er gar nicht mit uns, sondern mit der Katzenfee. Die hatte uns alarmierende Handyfotos in den Urlaub geschickt, auf denen Juri blutige Wunden unter den Ohren hatte, und wurde authorisiert, mit ihm unseren Tierarzt aufzusuchen. Sie erzählte danach, Juri hätte sich ziemlich aufgeregt und der Doc vermute eine Nahrungsmittelallergie, bzw. -unverträglichkeit und daß die Wunden durch übermäßiges Kratzen zustande gekommen waren. Er machte einen Bluttest, auf dessen Ergebnis nun gewartet werden mußte.
Als ich zwei Wochen später selber mit Juri im Transportkorb beim Tierarzt auflief, zog der seine Bleischürze über und Handschuhe an und die Tierarzthelferin zog die Jalousien vors Fenster. Ich fragte, was denn los sei, und der Doc antwortete, das seien nur die üblichen Maßnahmen, die man ergreife, wenn sich ein Patient so aufführe, wie Juri das bei seinem ersten Besuch getan hatte. Er war offenbar nicht nur panisch buchstäblich die Wände hochgegangen, nein, Juri, der doch nie schlägerte oder biss, hatte offenbar auch sonst mit allen Mitteln versucht zu entkommen.
Nun, ich nahm ihn aus dem Korb und er saß brav und ergeben da und ließ alles über sich ergehen. Das Praxispersonal staunte.
Der Test jedenfalls hatte ergeben, daß Juri kein Getreide vertrug, von dem einiges in dem Futter vorkam, daß ich ihm vorsetzte. Und noch dazu hatte er im vergangenen Advent seine Vorliebe für Spekulatius entdeckt. Nun, ich lernte wieder etwas dazu, nämlich daß hochwertiges Katzenfutter kein Getreide und keinen Zucker enthält. Und daran wurde sich fortan gehalten. Die Wunden verschwanden in den nächsten Wochen und kamen auch nie wieder zurück.
Als nächstes bekam Juri eine Kehlkopfentzündung. Er war so heiser, daß er nicht mehr alles und jedes kommentieren konnte, und vor allem tat das Schlucken offenbar so weh, daß er nichts mehr essen wollte. Das war das erste Mal, daß ich ihn in ein großes Badetuch einwickelte und ihm mit einer Spritze halbflüssiges Futter einflößte. Ich fühlte mich dabei wie der Foltermeister persönlich, aber so brachten wir ihn immerhin mit Schmerzmittel, aber ohne Klinikaufenthalt über die schlimmste Phase. Und als er endlich wieder fraß und auch gleich die Markise erklomm, schrieb ich dem Katzenvater umgehend eine SMS „Geschafft!“
Den nächsten Tierarztbesuch machte Juri mit einer wunden Nase. Und die verdankte er einer spanischen Senorita, die gerade erst bei uns eingezogen war und sich damit die Sympathien des Katzenvaters fürs Leben verdarb.
Doch dazu dann morgen.

