Fünf weitere Jahre lebten wir so glücklich vor uns hin, der Katzenvater, die drei Roten und ich.
Juri war Papas Kater,

aber hielt sich auch gut mit mir Dosenöffner.
Mona partnerte mit mir.

Und Schmutzi war schließlich der zweite Kerl in unserer Dreierbeziehung, der wachte über alle.

Außer den Zähnen bei Schmutzi und Mona gab es keine weiteren gesundheitlichen Probleme und die Malaisen, Arztbesuche und Klinikaufenthalte vom Katzenvater und mir waren in der Zeit eindeutig dramatischer als die der Katzen.
Doch dann fiel mir eines Tages auf, daß Schmutzi schief lief. Irgendwie war die Hüfte verdreht, er wurde auch zusehends unsicherer beim Steigen und Springen und knickte weg oder humpelte.
Der Tierarzt zog seine Diagnosen durch und kam zu dem niederschmetternden Schluß, daß Schmutzi an einer fortschreitenden Wirbelsäulendeformation litt, die man bei Hunden häufig beobachten kann, bei Katzen eher selten. Vor allem war diese Erkrankung nicht heilbar UND mit Schmerzen verbunden.
Fast 16 Jahre hatte Schmutzi mit uns gelebt, ein Lebensgefährte, wie er im Buche steht, sanft, liebevoll, einfühlsam, voller Vertrauen und Hingabe. Und nun mußten wir ihn gehen lassen. Wir heulten, als er in meinem Arm einschlief, und die Neurologin heulte mit.
Juri und Mona verstanden nicht, wieso wir ohne Schmutzi zurückkamen. Er wurde eingeäschert und steht in einer Herzurne auf dem Balkon, dort, wo er immer so gern gelegen hatte. Er fehlte schrecklich. Und er fehlt noch heute.

Aber der zehnjährige Juri war nun seines Kuschel-und Spielkumpels beraubt. Kuscheln konnte er auch mit Mona. Aber unter Spielen verstand die Prinzessin etwas ganz Anderes als er.
Man schaut sich, wenn eine Katze gestorben ist, nicht nach einer neuen Katze um, weil man glaubt, die gegangene ersetzen zu können. Das geht nicht. Nie. Jede Katze ist anders, hat einen anderen Charakter, andere Bedürfnisse und Gewohnheiten, eine andere Art zu lieben. Die verstorbene Katze bleibt. Im Herzen, in den Gedanken, an ihren Lieblingsplätzen.
Aber mit einer neuen Katze geht das Leben weiter.
Und so schaute ich mich nach einiger Zeit nach einem neuen Kumpel für Juri um.
Ich stieß im Internet auf eine Tierschutzorganisation, die streunende Katzen und Hunde in Bulgarien aufnimmt. Damals waren sie gerade dabei, ein eigenes Tierheim aufzuziehen. Bislang wurden die Tiere nur auf Pflegestellen versorgt. Ich sah mir die zu adoptierenden Katzen an. Und blieb bei Cedric hängen. Eine Kuhkatze, weiß mit grauer Zeichnung, zwei Jahre alt, der letzte seines Wurfs, der noch auf ein Zuhause wartete.

Er sah sanft aus und gelassen. Das schien mir eine gute Ergänzung zu unserer Krawallwutz zu sein, die so lieb wie ungestüm war, aber jetzt mit den Jahren zunehmend ruhiger wurde.
Es war CoronaZeit. Statt der eigentlichen Vorkontrolle schickte ich ein Video von unserer Wohnung und wurde akzeptiert. Und irgendwann im Frühjahr 21 stand ich am späten Abend auf einem Parkplatz in Köln-Frechen, zusammen mit vielen anderen aufgeregten Menschen, und wartete auf die Transporter, mit denen unsere Adoptivkinder nach einer langen Reise von Bulgarien nach hier ankommen sollten.
Zuhause verschwand Cedric im Arbeitszimmer unterm Buffet und kam nur nachts heraus, wenn wir schliefen. Er ließ sich aber mit Leckerlis bestechen. Und nach drei Tagen wurde er mutig und erkundete die Lage.
Ein großer Schlaks, immer ein bißchen besorgt,

kein Schmusekater oder Schoßsitzer, aber abends beim Fernsehen und nachts zum Schlafen liegt er gerne längelang und schwer auf meinen Beinen oder in die Kniekehle gekuschelt.
Mit Juri verstand er sich von Anfang an großartig, auch wenn dem die Schmuserei und das intensive Ablecken manchmal zuviel wurden.

Und auch mit der Prinzessin kam er gut klar.

Alles war wieder, wie es sein soll: Wir hatten drei Katzen, die gut harmonierten, und Juri hatte einen Kumpel, mit dem sich Unfug machen und gemütlich abhängen ließ.
So unkompliziert das alles mit Cedric lief, so aufregend wurde es ein Jahr später mit Cedrics Bruder, aber davon dann morgen.



