Ich lebte nun also mit drei Kerlen zusammen und das sehr harmonisch.
Aber je länger, desto mehr wünschte ich mir wieder weibliche Unterstützung im Haus.
Und so blätterte ich online durch verschiedene Tierschutzorganisationen und die Katzen, die dort zur Adoption freigegeben waren, und stieß unter anderem auf eine Dame, die sich auf Mallorca um Streunerkatzen kümmerte und ihnen auf ihrem weitläufigen Grundstück ein vorübergehendes Zuhause bot.
Der Sohn meines Cousins und dessen Frau kannten sie sogar persönlich und so konzentrierte ich mich zunehmend auf deren Angebot und dabei stach mir eine rote Katze ins Auge, die auf ihrem Bewerbungsfoto selbstbewußt und robust genug rüberkam, um es mit dem beiden roten Katern aufzunehmen.

Eigentlich sind mir die Fellfarben völlig wurscht, aber irgendwie war der Gedanke, bei Rot zu bleiben, trotzdem verführerisch.
Und so reiste die kleine Prinzessin bald darauf mit einem Paten im Flugzeug an. Dankenswerterweise hatte eine Kollegin meine Vorstellung übernommen, so daß ich nur mittelgestresst war, als sich der Flug natürlich verspätete. Aber dann nahm ich die Maus in Empfang und fuhr mit ihr im Bus nachhause.
Mona hieß das hübsche Mädel, ihr Alter wußte keiner so genau. Aber sie war von allen meinen Katzen die absolut coolste, was das Ankommen in einem neuen Zuhause angeht, noch dazu nach einer langen, aufregenden Reise.
Während die beiden Herrn im Flur standen und relativ fassungslos betrachteten, was ich da einfach so mitgebracht hatte, stolzierte die kleine Senorita selbstbewußt aus ihrer Transporttasche, setzte sich auf den nächstgelegenen Hocker, warf den beiden Katern nur einen minder interessierten Blick zu und begann sich zu putzen.
Ich hatte mich offensichtlich nicht geirrt, diese Katze besaß Power.

Sie benahm sich vom ersten Moment an, als hätte sie nie anderswo gelebt. Und beide Herren nahmen es ergeben hin. Auch der Katzenvater.
Und dann kam zwei Tage später der unglückliche Moment, als Juri arglos das große Katzenklo verließ und ihm Mona, die daneben saß, einen Schlag auf die Nase verpaßte.
Sie hatte gut gezielt und die Krallen draußen gelassen. Und Juri war verletzt. In seiner Ehre und an der Nase. So schwer und schmerzhaft, daß er sich unters Bett zurückzog und nichts mehr fressen wollte. Nach einem Tag erfolgloser Überredungsversuche, begab sich der Katzenvater mit Juri zum Tierarzt und kam mit dem Schmerzmittel wieder, das wie immer beste Dienste tat. Das Badetuch und die Spritze kamen zum Einsatz und zehn Minuten später war Juri wie ausgewechselt, fraß und tobte durch die Wohnung wie gewohnt.
Juri trug Mona das Vorkommnis auch nicht nach, die beiden wurden beste Freunde.

Aber der Katzenvater vergaß Mona die Attacke nie. Die beiden hatten zeitlebens ein entspanntes, aber kühles Verhältnis zueinander.
Die drei Roten aber rauften sich prima zusammen und alles war angerichtet für ein wunderbares Zusammenleben mit drei roten Katzen.
Auch Mona war ein Grund dafür, daß inzwischen alle Katzen hier voll versichert sind, denn als sie fast alle ihre Zähne hergeben mußte, zahlte noch die preiswertere OPVersicherung den vierstelligen Betrag, aber als sie Jahre später durch alle Diagnosen lief, bis man einen Lungenkrebs bei ihr feststellte und sie ohne OP eingeschläfert werden mußte, ging die Rechnung in Höhe eines mittleren Gebrauchtwagens auf uns.
Doch das war erst viele Jahre später. Und vorerst genossen wir das Leben mit den Katzen und die Katzen ihr Leben mit uns.
