Haustiere.
Genau genommen bin ich umgeben von Leuten, die keine Haustiere haben.
Und auch keine wollen.
Nicht mal einen Fisch.
Mein Bruder hatte mal einen Kanarienvogel, den hat ihm seine jetzige Frau zu Beginn ihrer Beziehung geschenkt, als er in seine erste eigene Wohnung gezogen war. Ich glaube, der ist nicht sehr alt geworden.
In ihrer gemeinsamen Familie wurden dann zwei Kinder ganz ohne Haustiere groß und momentan sieht es so aus, als hielten die das mit ihren Familien genauso.
Meine beste Freundin hatte mal eine Katze, die dann Junge bekam. Dann hatten alle eine Allergie und damit war’s das mit Tieren.
Meine langjährigste Freundin hatte in ihrem ganzen Leben kein Haustier. Und hat offenbar auch nie mit dem Gedanken gespielt, sich eins zuzulegen. Es hat immerhin Witz, daß Ihr Sohn jetzt im Management bei Fressnapf arbeitet.
Meine durchaus haustieraffine und -erfahrene Tochter hat einen Mann, der nicht haustiersozialisiert ist und auch auf gar keinen Fall welche will. Jedenfalls nicht im Haus. Der zwischenzeitliche Versuch mit einem Hund ging gründlich schief. Nun haben sie immerhin zwei Kaninchen im Freigehege im Garten.
Meine Mutter hatte als Kind Haustiere in der Familie, aber so, wie Leute mit ausgeprägtem Bauerngen halt Haustiere halten. Ins Haus durften die eigentlich nicht.
Es gab einen Hund, der von meiner Tante ins Ohr gebissen wurde
„Molly hat mich gebeißt, hab ich Molly gebeißt“
Katzen, die bei Versuchen, es sich doch drinnen gemütlich zu machen, auch mal aus dem Fenster flogen. Und Kaninchen, die kurz vor Weihnachten verschwanden, warum dann niemand außer meinem Opa so richtig zuschlagen wollte beim Weihnachtsbraten.
Mein Vater immerhin hätte gerne einen Rauhaardackel gehabt. Aber die Wohnsituation, ich muß es leider zugeben, bei 65 qm mit vier Personen schrie nicht unbedingt nach einem Hund.
Ich habe mir allerdings meine ganze Kindheit über sehr inständig einen gewünscht. Wenn der weinerliche Pudel von Onkel Karl oder der dickliche Zwergdackel von Freunden meiner Eltern bei uns in Sommerfrische waren, dann ging ich auch zuverlässig mit den Guten Gassi und kümmerte mich auch sonst sehr liebevoll. Ich wollte zeigen, daß ich das auch bei einem eigenen Hund zuverlässig täte.
Aber es überzeugte nicht.
Ausgerechnet, als mein Patenonkel Willy an einem ersten Weihnachtsfeiertag mit einem Langhaardackelwelpen für mich anrollte, war ich gerade mit meinem Vater in der Nachmittagsmesse. Mutter und Großeltern wimmelten den armen Onkel ab. Und mein Weihnachtsfest war gründlich verdorben.
Der Hund kam dann zu meiner Tante Martha und ihren vielen Kindern auf den Hof und wurde noch im gleichen Jahr vom Auto überfahren.
Ich wollte immer Haustiere.
Eigentlich einen Hund. Ich liebte aber auch Katzen.
Was ich bekam, waren Wellensittiche. Die hießen immer Nicki.
Und später auch Goldfische.
Als ich dann mit meiner Tochter zusammen in einer eigenen Wohnung lebte, hatten wir Kanarienvögel. Und danach eine Zebrafinkenzucht.
Und dann fiel mir eines Tages auf, daß ich ja nun ganz selber Herr der Entscheidung war, ob und welches richtige Haustier bei uns Einzug halten würde.
Hund kam bei einer 7TageWoche und langen Abwesenheiten tagsüber nicht wirklich in Frage. Also wurde es eine Katze. Aus dem Tierheim. Einzige Vorgabe war keine Schwarze. Natürlich war es dann eine schwarze.
Irgendwann waren es zwei Katzen. Dann drei.
Heute sind es vier.
Ich kann mir nicht vorstellen, ohne Haustier zu leben.
Ich weiß auch nicht, wie die anderen das machen.
Natürlich wäre es möglich.
Und es würde sehr viel Geld und viel Staubsaugerstrom sparen.
Aber das Leben wäre soviel ärmer.
Ich glaube, ein Haustier täte jedem Menschen gut.
Selbst ein Leguan oder ein Piranha wäre besser als nichts.
Allein, sich um ein Haustier zu kümmern, ist schon ein Zugewinn an Lebensfreude.
Erst recht dann, wenn man auch noch offensichtlich geliebt wird.
Egal, ob es nur wegen des Umstands ist, daß man die Futterdosen öffnet oder das Bällchen wirft.
Meine ausgeprägten flämischen Bauergene wirken sich eher auf mein Verhältnis zu Pflanzen aus. Ich sehe gerne Dinge wachsen und Frucht tragen oder blühen.
Als Viehbauer wäre ich dagegen eine krasse Fehlbesetzung. Ich hätte gerne Schweine und Schafe und Hühner, aber geschlachtet würden die bei mir nicht. Und der Hofhund dürfte auch aufs Sofa. Und die Mäusefängerkatzen dürften nachts mit ins Bett.
Eigentlich habe ich alle Voraussetzungen für eine Crazy Catlady. Aber Gottseidank auch einen Ehemann, der schon bei der vierten Katze heftige Bedenken anmeldete.
Die dürfte die letzte gewesen sein, die ich ordnungsgemäß adoptiert habe. Ab einem bestimmten Alter vermittelt der Tierschutz einem keine Tiere mehr. Haben sie ja auch Recht. Es sei denn, es sitzt jemand als 100% sicherer Plan B im Hintergrund, der die Tiere im Ernstfall zu sich nimmt.
Aber vielleicht kann ich ja dann in ein paar Jahren noch einen WinWinDeal mit dem Tierheim abschließen, wenn sie jemand für einen kleinen Senior suchen, der auf seine alten Tage heimatlos geworden ist.
Solange ich noch in den eigenen vier Wänden wohne, runterkomme zu Fressnapf und Katzenklo und den Rollator bis zum Tierarzt schieben kann, wäre das immerhin eine Option.
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