vorsichtichboomenoch

Vorsicht, ich boome noch!

Eigentlich wollte ich heute über meine Katzen schreiben.

Aber dann war ich bei Facebook.

Und ein eigentlich sehr netter Kollege postet einen Beitrag, in dem er die aktuellen Zumutungen der Regierung an uns Bürger (als faul und scheinkrank bezeichnet zu werden, länger arbeiten zu sollen, weniger Unterstützung zu bekommen etc. etc.) in einen Vergleich setzt mit dem, was „die Fremden“ bekommen, wenn sie herkommen und wenn sie hier sind und wenn sie gehen.

Da schwillt mir doch sofort der Kamm!

Dieses beschissene rechte Narrativ, so toxisch wie dumm, macht mich rasend!

Nein, es ist nicht das Geld, mit dem Flüchtlingen und Asylanten hier das Lebensnotwendigste zur Verfügung gestellt wird, das fehlt, um Schulklos zu sanieren oder ausreichend Pflegepersonal auszubilden!

Und wer soll das bitte sein: Der Fremde???

Ein Mensch ist solange fremd, bis man ihn kennenlernt.

Oder solange fremd, bis er sich heimisch fühlt.

Egal, wo er herkommt, und egal, was er glaubt, liebt, trägt oder wie er aussieht.

Jeder von uns, der sich in der Welt bewegt, der kleinen Welt der Heimatstadt oder der großen Welt der Reisen, ist überall fremd, wo er nicht herkommt und wo er nicht zuhause ist.

Je nachdem, wo er gerade unterwegs ist, wird dieses Fremdsein als spannend und aufregend wahrgenommen und trifft auf Interesse und Gastfreundschaft, vielleicht aber herrschen auch Mißtrauen und Vorsicht und man macht eher einen weiten Bogen um den Fremden. Vielleicht ist es auch wie in China seinerzeit und man findet das Fremde zum Lachen und amüsiert sich prächtig über dessen merkwürdiges Aussehen und das unadäquate Verhalten.

Oder aber es geht einem wie heutzutage vielen „Fremden“ in Deutschland…..man muß als Sündenbock herhalten, als Feindbild, als Ursache allen Übels.

Das Fremde ist ins Dorf gekommen und mit ihm die Welt und seitdem ist alles nicht mehr so schön und sicher und geordnet, wie es in Wirklichkeit nie war.

Je weniger „Fremde“ irgendwo tatsächlich sind, desto größer ist die Angst, die Ablehnung, die Mißgunst.

Man will das Fremde gar nicht kennenlernen, man will es nur wieder loswerden.

Und dann geht auch noch so ein Vollhonk wie unser derzeitiger Bundeskanzlerdarsteller hin und schwafelt was von einem Stadtbild, das ihm Sorge macht, und von migrantischen Männern, die Frauen desnachts auf der Straße erschrecken.

Männer nachts auf der Straße sind für Frauen immer mit Vorsicht zu genießen, dazu müssen sie keine „Fremden“ sein.

Und ich persönlich mag ein Stadtbild, in dem die westliche, die arabische, die asiatische, die afrikanische, die ganze Welt ihren Platz hat.

Auf jeden Fall darf man sich dieses rechte Narrativ vom „Fremden“, den man nur wieder loswerden und im Zweifelsfall seinem wie auch immer gearteten Schicksal überlassen muß, damit Ordnung und Wohlstand und Sicherheit zurückkehren, nicht einblasen lassen!

Wir leben in einer Zeit, in der nicht nur Ordnung, Wohlstand und Sicherheit, sondern auch Demokratie und Klima auf der Kippe stehen.

Wir leben in einer Zeit, die uns vieles zumuten wird und in der wir auf viel liebgewonnen Gewohntes werden verzichten lernen müssen.

Wen das wie trifft, wie man Zumutungen und Einschränkungen und Belastungen gerechter verteilt und vielleicht nicht immer bei denen, die am wenigsten haben und deshalb am meisten Unterstützung brauchen, beginnt mit dem Einsparen und Kürzen, sondern denen mit den vollen Taschen ein bißchen tiefer in dieselben greift, darüber kann und muß man diskutieren.

Aber bitte nicht auf dem unterirdischen Niveau, daß die Rechte mit ihren simplen Feindbildern und ihren Pseudolösungen vorgibt.


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