Willy Schmutzfuß.
Als er zu uns kam, war er sechs Wochen alt. Die erste Nacht schlief er bei uns im Schlafzimmer, wurde aber nie ein Bettschlafkater. Es war Paula, die gerne zwischen uns nächtigte. Tagsüber aber hielt sich auch Schmutzi gerne auf dem Bett auf.

Da Schmutzi ja eigentlich ein Mensch war oder zumindest zu sein glaubte, waren auch seine Freundschaften nicht unbedingt katzentypischer Art. Er war sehr eng mit dem Meerschweinchen meiner Tochter, das manchmal zu uns in Sommerfrische kam. Und über Jahre war sein bester Freund der letzte unserer verbliebenen Zebrafinken, den wir Joopi nannten, weil er wie der gleichnamige Schauspieler Heesters offenbar zu Unsterblichkeit neigte.
Als wir mal wieder umgezogen waren, in eine tolle Wohnung mit Einbauküche, die uns leider knapp zwei Jahre später ohne Vorwarnung sozusagen unter dem Hintern wegverkauft wurde, machte Schmutzi seinem Namen legendäre Ehre und hinterließ einen eindeutig zu identifizierenden Pfotenabdruck an der Küchendecke, wie auch immer ihm das geglückt sein mochte.
Zu der Zeit war die Madame bereits an Nierenversagen verstorben und wir lebten eine Zeitlang wieder mit zwei Katzen. Und einem unvernetzten Balkon. Was aber kein Problem war, da weder Schmutzi noch Paula irgendwelche Ambitionen zeigten, aufs Geländer oder in die dort hängenden Blumenkästen zu klettern.
Dann erkrankte auch die kleine Paula an den Nieren. Leider hatte uns der hinzugezogene Tierarzt nicht gesagt, daß Katzen bei Nierenerkrankungen zu Geschwüren im Maul neigen. Und so erkannten wir leider erst zu spät, warum die kleine Maus nicht mehr richtig fressen wollte. Als sie beim Tierarzt eingeschläfert werden mußte, war der arme Katzenvater ganz alleine dort, weil ich arbeitete. Es war ein traumatisches Erlebnis. Und die Trauer um die kleine schüchterne Prinzessin ging ihm lange nach.
Nun war Schmutzi allein. Oder wie er es ausgedrückt hätte: Er hatte keine Katze mehr. Ich hatte schon den Eindruck, daß er sich ein bißchen einsam fühlte. Und vor allem war der Katzenvater so traurig, daß seine Schmusekatze nicht mehr da war.
Also begann ich nach ein paar Wochen, mich nach einem neuen Katzenkumpel für Schmutzi umzusehen. Er sollte möglichst im frühen Sommer einziehen, auch wenn das dem Katzenvater sicher noch zu bald erschien, aber im Juli wollten wir nach China, unser erstes Enkelkind in Peking kennenlernen, und vorher sollten sich Schmutzi und der Neue schon ein bißchen aneinander gewöhnt haben. Auch, damit die Katzenfee es einfacher hatte.
Die Katzenfee war nämlich, noch in der alten Wohnung, der im fünften Stock, in unser Leben getreten und kümmerte sich seitdem in unserer Sommerferienabwesenheit liebevoll um die Katzen.
Nachdem sich unsere finanzielle Situation grundlegend verbessert hatte und wieder Sommerurlaube drin waren, mußt ja jemand gefunden werden, der in dieser Zeit Fressnäpfe füllte, Katzenklos leerte und Schmuseeinheiten verteilte. Dank einer Anzeige im Stadtblättchen fand sich Coco, selber Besitzerin eines Katers, in der Nähe wohnend und auch auf der Suche nach einem Katzensitter. So kamen wir zusammen und beschlossen, wechselseitig auf unsere Kastratzen aufzupassen, wenn der andere auf Reisen ging.
Es war die perfekte WinWinSituation für alle, besonders für uns. 😉
Während ich es bei ihr zuhause jahrelang mit einem Kater zu tun hatte, der nicht unter der Bettdecke vorkam, solange ich in der Wohnung war, und von dem ich nur wußte, wie er aussah, weil ich manchmal übergriffig die Bettdecke lüftete und ihm Leckerlis darunter schob, die er aber immer erst fraß, wenn ich wieder weg war, betreute Coco liebevoll und zuverlässig unsere Katzen, egal, wie viele es gerade waren, goß Blumen und sang beim Kraulen Lieder vor, was unsere offenbar sehr gern hatten. Ihr Kater Filou und ich wurden dann später auch noch gute Kumpel und saßen gemeinsam auf der Couch und schauten fern. Aber ein paar Jahre hat das schon gedauert.
Mit wem es die Katzenfee im Sommer 2010 in der schönen Wohnung mit der Einbauküche also zu tun bekam, das erzähle ich dann morgen, denn der junge Katermann, der bald bei uns einzog, ist schon einen ganzen Eintrag wert.