vorsichtichboomenoch

Vorsicht, ich boome noch!

Wir hatten unsere zwei Katzenjungs, der eine ein älterer Herr, der andere ein junger Mann.

Und ich wünschte mir wieder ein Mädchen ins Haus. Meine Vermittlerin meinte, nach dem Moritzdebakel sollte ich lieber noch ein bißchen Zeit ins Land gehen und Ruhe einkehren lassen, bevor ich eine neue Mitbewohnerin hole. Und ich gab ihr durchaus Recht und wollte mich auch in angemessene Geduld fassen.

Doch dann kam, versehen mit der Notiz „Notfall“, dieses Foto vorbei:

Und nun mal ehrlich, wer hätte da ernsthaft widerstehen können?

Zugegeben, das war ein Kinderfoto. Aber auch auf den aktuellen Fotos schaute sie sich ohne Umwege ins Herz.

Die Organisation war eine andere in Bulgarien, ohne eigenes Tierheim, nur mit Pflegestellen. Und deshalb wurden die geretteten Kitten des Vorjahres zu Notfällen, sobald die nächste Wurfsaison anstand. Nach Deutschland gebracht wurden die adoptierten Tiere zusammen mit denen der anderen Orga in denselben Transportern.

Jullia hieß die hübsche Prinzessin. Sie war, ungefähr 6 Wochen alt, in die Obhut der Pflegestelle gekommen, nachdem man sie in einem Park aufgegriffen hatte, wo sie vertrauensvoll zwischen den Leuten an einer Hundewiese auf der Bank saß.

In ihrer Pflegestelle half sie einer anderen Katze bei der Aufzucht ihrer Jungen. Sie schien ebenso gruppenkompatibel wie selbstbewußt zu sein. Und ich konnte einfach ganz unmöglich widerstehen.

Dummerweise hatte ich am Transportsamstag eine Vorstellung, die ich nicht einfach weitergeben konnte, aber dankenswerterweise fand sich ein junges Paar in der Nähe, das sich bereit erklärte, Jullia am Transporter in Empfang zu nehmen und bis zum nächsten Morgen bei sich zu beherbergen.

Ich kaufte Leckereien für Mensch und Tier und diverses Katzenspielzeug als Dankeschön und machte mich am frühen Sonntagmorgen auf, unser Mädchen abzuholen.

Das junge Paar entpuppte sich als semierfolgreiche deutsche Pflegestelle. Viele der eigentlich nur auf Zeit eingeplanten Notfälle und Handicapchen waren dann doch zu Dauerbewohnern geworden und alles in allem wuselten bestimmt zehn Katzen durch die Wohnung und stürzten sich begeistert auf das Spielzeug.

Julchen mußte nun nach der langen Reise von Bulgarien und einer allein im Ankunftszimmer verbrachten Nacht noch einmal in einen fremdem Transportkorb steigen und noch einmal mit dem Auto fahren. Ich redete die ganze halbstündige Fahrt auf sie ein und war sehr gespannt, wie ihre Ankunft bei uns verlaufen würde. Sie tat, was ihre bulgarischen Kollegen vor ihr auch getan hatten: Sie verschwand unters Buffet. Gottseidank war sie nicht leckerliresistent und neugierig auch und so kam sie nach zwei Tagen zögerlich, aber immerhin heraus.

Erstmal immer gerne gleich auf die höchsten Plätze.

Doch sie merkte schnell, daß Mensch und Tier ihr hier wohlgesonnen waren.

Sie ist eine sehr selbständige Katze, die gerne ihr Ding macht, aber immer wieder Kuschelanfälle hat, bei denen sie sich einem schnurrend und miauend in die Arme wirft und gerne wie ein Baby herumgetragen wird.

Cedric, der kleine Schisser, fauchte sie anfangs vorsichtshalber an, aber auch er begriff schnell, daß von ihr keinerlei Gefahr ausging, wenn sie sich andererseits auch nichts gefallen ließ. Sie war ebenso wehrhaft wie verträglich.

Und nach dem Moritzfiasko, das mir immer noch nachging, hatten mich hier Bauchgefühl und Augenschein wenigstens nicht betrogen und die kleine Maus paßte sich problemlos in unsere Familie ein.

Wir hatten drei Katzen und alles lief rund.

Und dann mußte ich mir doch noch einmal eine Herausforderung ins Haus holen.

Darüber reden wir dann morgen.


Kommentar verfassen

Entdecke mehr von vorsichtichboomenoch

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen