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Vorsicht, ich boome noch!

Zu Beginn der Spielzeit 2003/04 durfte ich also endlich einmal bei einer Inszenierung von Patrick Schlösser mitmachen, „Der Impresario von Smyrna“.

Patrick war 1996 mit Anna Badora als Regieassistent nach Düsseldorf gekommen und legte schon zwei Jahre später mit „Messer in Hennen“ ein viel beachtetes Regiedebut hin.

1998 hatten Patrick (Musik) und ich (Text) einen Song für den ersten lesbisch-schwulen Grand Prix geschrieben, der in Köln im GloriaTheater stattfand. Meine Tochter war an dem Tag 16 geworden und ich mußte schwer aufpassen, daß sie mir im Gedränge niemand entführte. Gesungen wurde unser Werk vom Düsseldorfer Ensemblemitglied Andreas Ebert und wir belegten immerhin den sechsten Platz.

Doch inzwischen hatte sich Patrick längst als erfolgreicher Regisseur etabliert und nun durfte ich also bei ihm soufflieren.

In „Der Impresario von Smyrna“ von Goldoni beschließt ein reicher türkischer Kaufmann bei seinem Besuch in Venedig, eine eigene Theatertruppe zusammenzustellen und löst damit unter den anwesenden Künstlern ein Hauen und Stechen um Rollen, Gagen und Positionen aus. Zuguterletzt hat der arme Mann genug und reist alleine ab, hinterläßt den Künstlern aber eine Summe, mit deren Hilfe sie nun miteinander ihre eigene Theatertruppe auf die Beine stellen könnten. Ein feines Stück über theaterinterne Kämpfe, Eifersüchteleien und Intrigen, aber auch die Unberechenbarkeit des Kunstmarktes. Sozusagen der eskalierte Mobbingtisch auf die Bühne gebracht. 😉

An Patricks grandioser „Jungfrau von Orléans“ im selben Jahr mit der wunderbaren Lisa Hagmeister in der Titelrolle war ich leider nicht beteiligt, da mußte ich mich zeitgleich mit Goschs „Sommergästen“ herumschlagen.

Doch zunächst brachten wir Schleefs „Gertrud – Ein Totenfest“ auf die Bühne. Bischoffs Inszenierung wurde ein grandioser Erfolg. Für die beiden Darstellerinnen, den Regisseur und das Haus. Aber auch eine echte Herausforderung, für Schauspielerinnen und Publikum. Die Inszenierung im fast leeren Raum, untermalt von Theatermusik von FMEinheit, setzte ganz auf die Präsenz der Schauspielerinnen und ihre virtuose Sprachbehandlung des Textes. Auch wenn einem der Abend vielleicht schwer und unzugänglich erschien, an der enormen, auch körperlichen Leistung der beiden Darstellerinnen kam man auch dann nicht vorbei.

Wir durften mit der Inszenierung ein Jahr später auf Reisen gehen und fanden uns im November 2004 in Porto wieder, wo die Vorstellung, mit portugiesischen Untertiteln versehen, frenetisch gefeiert wurde. Ich saß mitten im November in Porto in der Sonne am Strand und aß Stockfisch, während mir mein Mann schrieb, im Hofgarten in Düsseldorf friere gerade der Teich zu. Am letzten Abend lud der Regisseur zu einem Gelage im Fischrestaurant am Hafen. Wir aßen vorzüglichen Fisch. Und wir tranken vorzüglichen Wein. Wir tranken viel Wein. Irgendwann in den Morgenstunden fuhren wir dann mit dem Taxi ins Hotel und ich hielt nicht nur die Tasche der Chefdramaturgin und auch sie selber aufrecht, sondern vor allem den Kopf aus dem Fenster, weil ich sonst auf dem Rücksitz für nichts hätte garantieren können. Irgendwann nach fünf waren wir auf unseren Zimmern. Dummerweise mußten wir uns aber schon um sechs wieder im Foyer treffen, weil der Flieger nach Frankfurt so früh ging. Ich schlief eine halbe Stunde und stand dann pünktlich an der Rezeption. Nicht da war die Chefdramaturgin. Die mußte erst mit viel Aufwand und Überredungskunst aus dem Bett geholt werden. Auf dem Flug nach Frankfurt war noch alles soweit in Ordnung. In Frankfurt mußten wir dann auf den Flieger nach Düsseldorf warten und in dieser Zeit begann der gestrige Alkohol seine mörderische Katerarbeit zu verrichten. Der Flug nach Düsseldorf, der ja ohnehin eigentlich nur aus Steig-und Senkflug bestand, war noch dazu ein bißchen turbulent mit gelegentlichen Luftlöchern. Und ich erinnerte mich daran, daß Alkohol und Fliegen bei mir zu den Dingen gehören, die ich niemals zusammenbringen sollte. Ich dachte wirklich, ich würde absurderweise auf einem Kurzflug durch Deutschland mein Leben aushauchen. Aber ich hatte noch mal Glück und nur zuhause wieder tagelang eine heftige Migräne, an der ich nun auch noch selber schuld war.

Nach GERTRUD wartete wieder Gosch. Mit „Sommergäste“. Doch dazu gibt es mehr zu sagen, also erst morgen.


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