Das mit dem Spielzeitbeginn und Herbert König wurde langsam zur Gewohnheit. Diesmal starteten wir wieder im Kleinen Haus mit Aischylos und „Prometheus, gefesselt“ mit Bernt Hahn in der Titelrolle. Ein Abend, der völlig auf Wort und Sprache setzte, ist Prometheus doch das ganze Stück über an den Felsen geschmiedet, und dann auch zu Recht als außergewöhnliche Schauspielerleistung gewürdigt wurde.
Danach wartete aber schon wieder Mouchtar-Samurai und mit nichts Geringerem als dem „Sommernachtstraum“. Ich seh mich noch wochenlang zusammen mit David über die Spielfläche um die Schauspieler herumturnen und, ich weiß nicht ,wie oft, den kompletten Sommernachtstraum herunterbeten. Daß ich nun auch noch AUF der (Probe)Bühne herumwuseln mußte, das Buch in der Hand und verzweifelt bemüht, weder den Text, noch die Mimen aus den Augen zu verlieren, war neu und machte die Arbeit nicht eben einfacher. Aber Fritsch spielte einen herrlichen Puck. Kitzl einen wunderbar handfesten Zettel. Die Titania hätte die von mir immer wieder mal geplante Ermordung des Regisseurs während der Proben in einem auf beiden Seiten sehr hochgekochten Moment beinahe wahr gemacht. Und irgendwann saß ich dann doch wieder Mitte erste Reihe und konnte in verdienter relativer Ruhe die Vorstellungen genießen.
Nach diesem gewaltigen, personenreichen Shakespeare im Großen, wartete ein nicht minder großer und personenreicher Russe im Kleinen Haus mit Maxim Gorkis „Sommergäste“n. Damals kannte jeder, dem Theater etwas bedeutete, die legendäre SOMMERGÄSTEInszenierung von Peter Stein an der Schaubühne von 1974, zumindest in der zwei Jahre jüngeren Kinofassung, die auch ich gesehen hatte. Ich liebte das Stück mit seinen vielen wundervollen Rollen und ich liebte auch unsere Inszenierung mit Kitzl und Bliese, Pfammater und Tremper, Badura und Nüsse. Daß mit Wolfgang Arps und Marianne Hoika zudem zwei absolute Eckpfeiler des Ensembles und Lieblinge der Düsseldorfer dabei waren, trug sicher auch dazu bei, daß der Abend ein großer Erfolg wurde. Obwohl das Düsseldorfer Publikum in Mouchtars Inszenierung weniger melancholische Russen als sich selber gespiegelt sah….gebildete, wohlhabende Menschen, die gedankenlos genießen, auf hohem Niveau jammern, aber wenig Sinnvolles tun und schon gar nichts zum Besseren verändern.
Viele Jahre später sollte ich es noch einmal mit diesem Stück zu tun bekommen. Und wahrscheinlich war die sehr lebendige Erinnerung an Mouchtars Abend und vor allem an die wunderbare Barbara Nüsse als charakterstarke, an ihrer Gesellschaft verzweifelnde Warja mit ein Grund, warum ich die Neuinszenierung von Jürgen Gosch, die ihr Interesse fast ausschließlich auf die eigentlich so kraftlosen Männerfiguren verlegte, von ganzem Herzen verabscheuen sollte. Doch davon mehr zur gegebenen Zeit.
In der Spielzeit 92/93 erwischte mich dann noch eine Produktion namens „Rabenthal“ mit Heinrich Giskes in der Titelrolle. Das Stück handelt von einem völlig aus dem Ruder laufenden Hochzeitessen, bei dem in einem gräßlich heruntergekommenen Lokal als gruselige Spezialität „living fish“ serviert wird und die zunächst furchtbar angeekelte Braut zuguterletzt dem schmuddeligen Koch verfällt. Vermutlich war das Ganze als Gesellschaftparabel auf den arg dünnen Lack der Zivilisation gedacht, aber ich fand die krude Geschichte vor allem eklig und kann aus vollem Herzen sagen, daß auch dieses Werk es nicht in meine Top Ten geschafft hat.