vorsichtichboomenoch

Vorsicht, ich boome noch!

Ausmisten.

Ich hätte ja jetzt Zeit.

Und vielleicht wollen wir ja wirklich noch mal umziehen. Ans Meer. Oder fluchtartig nach Costa Rica. Wer weiß.

Da wäre es schöner, man hätte nicht mehr über 90 Umzugskisten wie beim letzten Mal.

Ich dachte vor ein paar Wochen, ich fang mal mit den Büchern an.

Das Häuflein der Aussortierten war überschaubar.

Ich habe fünf große Billys voller Bücher, in einem stehen sie zweireihig, in einem sind nur Kochbücher.

Ich habe auch noch ein kleines Billy voller Bücher, da sind vor allem die Kinderbücher drin.

Ich habe Bücher von meinem Vater, von meiner Tochter. Mein Mann hat Bücher. Gottseidank liest er seit Jahren auf dem Ebookreader, sonst hätten wir schon ein sechstes großes Billy, wo auch immer.

Ich konnte mich nicht trennen von den Büchern.

Obwohl ich ja weiß, daß ich 90% davon nie mehr aufschlagen werde. Aber es ist nicht nur das Besitzen. Es ist das Erinnern an den Inhalt. Zumindest bei den meisten. Oder an den ehemaligen Besitzer. Oder daran, wie sie ins eigene Bücherregal kamen. Oder durch wen.

Ich versuchte es es dann bei Geschirr und Gläsern.

Es gibt nur eine sehr kleine Wahrscheinlichkeit, daß ich jemals wieder mehr als 10 Leute an meinem Esstisch versammeln werde.

Ich brauche definitiv keine 30 Sektgläser, 30 Weingläser, 20 Schnapsstamperl.

Sollte sich jemals tatsächlich eine größere Menschenmenge in meinem Zuhause einfinden und auf irgendetwas anstoßen wollen, würden die alle genau so gern aus Wassergläsern trinken.

Ich brauche auch kein drittes Kaffeegeschirr.

Ich brauche genau genommen nicht einmal das zweite. Aber ich mag es so gerne. Und wenn dann doch nochmal die besagten zehn Leute um den Tisch herum sitzen, kann man mit den beiden Service zusammen so schön decken und gestalten.

Aber das dritte flog also raus.

Immerhin, im alten Küchenbufett von Oma, das hier in der guten Stube steht, die so eine Art Arbeitszimmer ist, wurde das Angebot an Gläsern und Vasen überschaubarer und zugänglicher.

Und im ersten Wohnzimmerschrank meiner Eltern, der hier auch im Wohnzimmer steht, ist seitdem ein Fach frei. Unter dem mit den „schönen Gläsern“, die teilweise noch von meinen Großeltern stammen. Und über dem Fach mit dem weißen Geschirr, daß ich von meiner Mutter geerbt habe. Die Essteller und das Kaffeeservice davon stehen im Küchenschrank und werden täglich gebraucht. Aber die Schüsseln und Platzteller und Saucieren und Dessertschüsselchen, die Fondueteller und die Kuchenplatten. die stehen im Wohnzimmerschrank, machen auf dekorativ und dürfen heraus, wenn die zehn Leute zum Essen kommen.

Oder die beste Freundin. Dann wird auch manchmal aufwendig gekocht. Und schön und üppig gedeckt.

In das freie Fach soll das chinesische Teeservice von meinen Eltern wandern. Das steht entweder seit 20 Jahren irgendwo in einer Umzugskiste im hinteren Eck meines Kellers. Oder in der Garage meiner Tochter. Auch da im hintersten Eck.

Ich werde es finden.

Aber ich fürchte, so sind wir immer noch bei mindestens 88 Umzugskartons.

Ich habe noch mal Klamotten aus dem Kleiderschrank aussortiert. Drei große Taschen. Stehen hinten im Auto und warten darauf, ins Sozialkaufhaus gefahren zu werden.

Ich habe ein bißchen im Keller rumgeräumt. Aber noch eher halbherzig. Demnächst dann richtig.

Ich will ja das Teeservice finden.

Braucht jemand ein Snakeboard? Oder einen Holzschlitten? Ich hab auch noch eine vollfunktionsfähige Abzugshaube. Und einen Motorradhelm. Einfach melden.

Es ist eindeutig: Ich bin nicht gut im Ausmisten.

Was sagt diese zwangsgestörte Japanerin, die alles zu kleinen Röllchen dreht und dann in kleinen Pappkartons verstaut: Man soll nur behalten, was man mag.

Das ist keine Hilfe!

Ich mag den alten Tortenteller meiner Mutter, der alle unsere Familienfeste bestückte. Ich mag den kleinen schwarzen Elefanten mit dem abgebrochenen Stoßzahn, der früher im Bücherschrank meiner Eltern stand. Ich mag meine Stehrümchen und meine über 400 Exponate zählende Schweinesammlung und die 20 Kaffeebecher, von denen ich bestimmt 5 aus dem Theater gerettet habe. Ich mag all den Kram in den vielen Kartons. Und die gemeinsame Plattensammlung von meinem Mann und mir. Und das schmale Regal voller CDs und VHS. Und die 300 Kochhefte. Und die Fotoalben.

Ich mag den Inhalt von bestimmt 70 Umzugskartons.

Und in den übrigen sind praktische Sachen, die man bestimmt noch mal braucht. Spätestens an dem Tag, nachdem man sie weggeworfen oder verschenkt oder verscherbelt hat.

Ausmisten.

Das ist eine Aufgabe, die noch lange bleibt.

Wenn ich gerade sonst nichts vorhabe, kann ich immer das machen.

Einen kleinen Karton mit „Zum Mitnehmen“ kriege ich dabei ja doch jedes Mal vor die Tür gestellt.

Und am Abend ist dann meistens nichts mehr drin.


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