Zuhause.
Wo ist man zuhause?
Wo fühlt man sich zuhause?
Kommt man gerne nachhause?
Bleibt man gerne zuhause?
Ich bin definitiv ein Zuhausemensch.
Zuhause ist zunächst mal da, wo mein Lebensmensch ist. Meine Katzen. Meine Sachen.
Zuhause ist der Ort, wo ich mich nicht verhalten muß.
In meinem Zuhause bin ich frei und geborgen, sicher und zufrieden.
Ich wohne schon mein ganzes Leben lang in Düsseldorf. Selbst als ich in Köln studiert habe, habe ich weiter hier gelebt. Düsseldorf ist also auch Zuhause.
Manche Plätze und Straßen und Viertel sind Kindheit, viele Familie, manche schon ewig vertraut. Aber es gibt auch immer noch Ecken, die mir fremd sind, wo ich noch nie war oder auch nie hin wollte. Wie die dunklen Gedanken eines Menschen, den man eigentlich gut kennt.
Wenn ich in eine fremde Stadt komme, wo ich länger als einen Tag sein werde, erkunde ich als erstes zu Fuß die nähere Umgebung meines Wohnplatzes. Wo kann man einkaufen. Wo könnte man einkehren. Wo ist das nächste Grün. Dann gehe ich einkaufen. Etwas zu trinken, etwas zu naschen, etwas zu lesen, wenn ich länger bleiben werde, ein paar Blumen. Das trage ich in meine vorübergehende Bleibe und verstaue es im Kühlschrank oder arrangiere es auf den Tischen. Ich räume ich bißchen um. Die Vorhänge werden zur Seite geschoben. Ich mache mich breit. Und nehme den Raum ein. Und schon stellt sich sowas wie zuhause ein. Auch wenn es nur das Standardzimmer einer Billighotelkette ist.
In Ferienwohnungen ist es einfacher, ein Zuhause daraus zu machen. Erst recht, wenn der Lebensmensch dabei ist. Da geht es ganz schnell. Sobald die Dinge da stehen und liegen, wo man sie braucht, sobald eine Schale mit Obst auf dem Tisch steht, Getränke im Kühler sind, die Bücher in Griffweite. Dann wird noch der nächste Bäcker gefunden, der beste Supermarkt, die schönste Aussichtsbank. Und schon hat man sein Ferienzuhause.
Man kann sich fast überall zuhause fühlen, wenn man es will.
Manche Orte machen es einem ganz leicht. Sie empfangen einen freundlich und absichtslos, sie fordern nichts, wollen nichts, beherbergen einen nur. Sie fühlen sich schnell vertraut an und vertrauenswürdig.
Manche sperren sich, sind fremd und unfreundlich, lassen einen nicht wirklich hinter die Fassade, wollen eigentlich, daß man wieder geht. Mit denen hat man es schwerer.
Aber egal, ob man sich anderswo wohl und behaust gefühlt hat oder eher nicht, immer schön ist es, wieder ins wirkliche Zuhause zurück zu kommen.
Wenn ich im Winter nachts von der Arbeit nachhause kam, bin ich manchmal extra auf der anderen Straßenseite geblieben, damit ich in unsere beleuchteten Fenster gucken konnte. Die rote Lampe. Manchmal eine Katze auf der Fensterbank. Das sanfte Licht im Arbeitszimmer.
Und immer hab ich mich gefreut, daß ich da jetzt hineingehen darf.
Und gedacht, wie furchtbar das sein muß, wenn man kein Zuhause hat, in das man heimkehren kann.
Oder kein Zuhause, in das man gerne heimkommt.
Weil man weiß, daß da nicht Geborgenheit wartet und Wärme und Akzeptanz.
Ich bin ein Zuhausemensch.
Es gibt ja Leute, die sind in sich selbst zuhause. Die brauchen keinen Raum, keinen Ort, keinen Anderen, um sich daheim zu fühlen. Die können jahrelang durch die Welt ziehen, jede Nacht in einem fremden Bett schlafen und sich jeden Tag wieder anderswo einrichten.
Zu denen gehöre ich nicht.
Mein Zuhause hat eine Adresse.
Mein Zuhause hat eine Tür, durch die ich hereinkommen und die ich hinter mir schließen kann.
Mein Zuhause hat Namen, die auch darin zuhause sind.
Und ich möchte immer wieder dorthin zurück.