Alt.
Ja, da führt nun kein Weg daran vorbei.
Ich bin alt.
Für ein Kind bin ich sogar steinalt.
Für ein Kind ist jeder alt, der kein Kind ist.
Für einen jungen Menschen ist jeder alt, der älter als 30 ist. Und der junge Mensch kann sich nicht vorstellen, jemals so alt zu werden.
Ein alter Mensch findet sich in der Regel weniger alt als andere alte Menschen, selbst die im gleichen alten Alter.
Das kommt einerseits daher, daß er sich immer durch all die vielen Folien aus den vergangenen Jahrzehnten sieht.
Und daran, daß er in sich drinnen irgendwann bei sich selber angekommen ist. Vielen gelingt das in den 40ern. Andere sind früher mit sich im Reinen, manche später. Aber irgendwann sind der Mensch innen drin und der außen drum im Normalfall identisch. Und das Alter, daß jemand zu diesem Zeitpunkt hatte, das bleibt das Alter, in dem er sich sieht.
Deshalb erschrickt man ja auch immer wieder, wenn man sich auf aktuellen Fotos entdeckt oder zufällig im Vorbeigehen in der Schaufensterscheibe.
Dieser alte Mensch soll man sein?
Wie alt man sich fühlt, ist auch sehr tagesformabhängig. An weitgehend schmerzfreien Tagen, an denen der Rücken nicht muckt, die Gelenke nicht knarren und der Motor nicht stottert, an denen der Spiegel morgens freundlich zu einem war und man nicht schon beim ersten Gang in die Küche vergessen hatte, mit was man dort den Tag beginnen wollte, an solchen Tagen fühlt man sich deutlich jünger als an denen, wo schon das Aufstehen an den Bandscheiben zu scheitern droht oder einem die Pin, die man seit sechs Jahren mehrmals täglich eintippt, an der Supermarktkasse partout nicht einfallen will.
Meistens empfindet man sich selber nicht als alt.
Als nun doch langsam halbwegs erwachsen vielleicht, als erfahren, als gereift, fertiggestellt.
Manchmal aber auch als Auslaufmodell, als ausgemustert, als aus der Zeit gefallen.
Aber alt, alt findet man eigentlich nur die anderen.
Objektiv betrachtet bin ich alt.
Mit ein bißchen Glück werde ich noch so alt, wie Jüngere denken, daß ich es jetzt schon sei.
Ich fühle mich nicht alt, aber ich weiß, daß ich es bin.
Und es macht auch nichts.
Im Gegenteil, ich bin dankbar, daß ich alt werden durfte. Und freue mich sehr darauf, noch älter zu werden.
Es gibt einfach keine annehmbare Alternative.