Gibt eine Menge Dinge, die sich plötzlich ganz anders anfühlen, wenn man Rentner ist.
Wochentage zum Beispiel.
Wie sympathisch so ein Montag ist, wenn er keine lange anstrengende Arbeitswoche einläutet, sondern einfach nur eine neue Woche anfängt.
Der Samstag war schon immer mein Lieblingstag, obwohl ja zu meiner Zeit da sogar noch Schule war. Aber nur vier Stunden. Und dann hatte man ein endlos langes Wochenende vor Augen mit dem Samstagabend auf der Fernsehcouch , später in irgendwelchen Teeniezimmern oder Partykellern, und Papa war auch zuhause und Sonntagmittag gab es was besonders Gutes, was meistens schon samstagsabends, während man in der Badewanne lag, durch die Wohnung duftete.
Dann war der Samstag viele, viele Jahre lang ein ganz normaler Arbeitstag. Morgens Probe. Abends meistens Vorstellung oder gar Abstecher. Und wenn auch Sonntags Vorstellung war, dann fiel das Wochenende ganz aus. Aber irgendwie behielt der Samstag trotzdem seinen Glanz. Man hatte eine Woche geschafft. Das Kind hatte ausgeschlafen und man selber zumindest eine Stunde länger als sonst. Das Publikum war samstags meistens ausgeruht und besser gelaunt. Samstag war oft Premierentag. Manchmal auch der Freitag, aber dann war Samstag der Tag zum Erholen.
Nun ist der Samstag mein Freund. Mein armer Gatte muß da zwar arbeiten, Einzelhandelsschicksal. Aber bei mir ist meistens AllesKannNichtsMuss angesagt. Geputzt wird freitags. Eingekauft auch. Der Samstag ist zum Bummeln da. Zum in den Tag Bummeln, zum über die Einkaufsmeile Bummeln, zum die Stunden Verbummeln, weil keine Termine anstehen. Bummeltag. Ich liebe ihn.
Mein zweitliebster Tag war immer der Dienstag, keine Ahnung, warum. Vielleicht weil der Schock, daß das Wochenende schon wieder vorbei war, schon überwunden war, der ganz normale Alltagswahnsinn hatte einen wieder, der Kühlschrank war noch voll, die Waschmaschine noch nicht. Es schien mir immer so ein fairer Tag zu sein, ohne Hinterhalte und Schikanen, freundlich und ohne besondere Ansprüche oder Absichten.
Im Moment mag ich alle Tage gleich gern.
Am Mittwoch hat der Gatte meistens frei, das ist auch schön, wenn tagsüber noch jemand in der Wohnung sein Ding macht.
Sonntags haben wir beide frei und meistens schlumpfen wir uns durch den Tag, bis abends ein Gang durchs Viertel ansteht.
Länger sind die Tage, wenn man nicht arbeiten muß. Aber wenn man nicht aufpaßt, sind sie trotzdem plötzlich vorbei, als hätte jemand am Mittag einen Turbo gezündet.
Apropos schnell vorbeigehende Tage: Ich bin gespannt, ob ich in diesem Winter auch besser klar komme mit der Dunkelheit.
Ich liebe die Sommerzeit, weil sie mir so lange Helligkeit beschert. Im Dunkeln Aufstehen und abends im Dunkeln noch mal zur Arbeit gehen, das war nie meins, auch wenn’s mein Schicksal war. Was habe ich es immer gefeiert, wenn ich zur Abendprobe wieder im Hellen los konnte. Noch mehr, wenn ich aus der Vorstellung kam und über dem Vorplatz schien noch die Abendsonne.
Jetzt kann ich mich einfach einmuggeln, wenn es viel zu früh feindlich dunkel wird, ein Kerzchen anmachen und die kleinen Lampen.
Vielleicht hilft’s, mich mit dem Winter auszusöhnen wie mit dem Montag.
Man wird sehen.